Anfang der 90er Jahre betrieben wir in Chiang Mai, Nord Thailand ein kleines Strassenrestaurant, der Sparte "Aharn Tam Sang". Spezialität unseres kleinen Ladens waren thailändische Wokgerichte, die auf Bestellung frisch zubereitet wurden. Aharn Tam Sang, übersetzt in etwa, Essen auf Bestellung, ist in Thailand sehr beliebt, denn man kann dem Koch direkt mitteilen, wie man sein Essen gerne hätte. Extra sauer oder salzig, nicht scharf oder extrem scharf.
Unser Koch war gerade mal 16 Jahre alt und hatte sein Handwerk von der Pieke auf gelernt. Schon als kleiner Junge half er seiner Mutter in Ihrem kleinen Restaurant und die Mutter hatte das Kochen von der Großmutter erlernt. Ob es dem jugendlichen Alter unseres Koches oder dem Umstand, daß in unserer Gegend viele Schüler wohnten, zu verdanken war, keine Ahnung, jedenfals kamen jeden Abend viele junge Schüler zum Essen.
Einer von Ihnen war ein 15 jähriger, thailändischer Spitzbub, namens Tao. Tao bestellte immer das Gleiche: Pad Krapao Pla Myk, Tintenfisch mit Krapao Basilikum gebraten, eines der schärfsten Wokgerichte aus der thailändischen Küche. Bei seinem ersten Besuch in unserem Laden bestellte er mit dem Zusatz: kho ped, bitte scharf. Der Koch gab 3 gehäufte Teelöffel, gehackte Thai Chilis (Prik Kee Noo) an das Gericht und als Tao aufgegessen hatte, meinter er, das Essen wäre doch etwas lasch gewesen. Als er am nächsten Abend wiederkam, bestellte er "phed mak", also sehr scharf. Unser Koch blinzelte mich an und meinte Tao werde gleich sein blaues Wunder erleben. Er würzte sein Pad Krapao mit 3 gehäuften Eßlöffeln Chili. Tao aß ohne mit der Wimper zu zucken alles auf und meinte zum Koch, besser als gestern, doch an Schärfe würde es noch fehlen. Am nächsten Abend bestellte Tao, Pad Krapao phed sood rith, übersetzt in etwa extrem scharf oder extra hot. Di, unser Koch spendierte Ihm diesmal einen gehäuften Schöpflöffel mit Thai Chili. Die aus dem Wok aufsteigenden Dämpfe liesen in der gesamten Nachbarschaft die Glasscheiben schmelzen und wir warteten gespannt darauf, wie Tao wohl auf das Teufelszeug reagieren würde. Tao schaufelte sich blasend und schnaubend, unter Schweiß- und Tränenausbrüchen, das Höllenfeuer in den Mund und nur ab und an war ein aroy dee (schmeckt gut), phed dee (gut scharf) zu vernehmen. Als er bis auf das letzte Reiskorn alles verputzt hatte, zog er, nach lobenden Worten für den Koch, schnaubend von dannen. Man braucht wohl nicht erwähnen, daß Tao einer unserer treuesten Stammkunden wurde.
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